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Beitrag 3

Marktanomalie: Layering

Kurz erklärt: Eine Spoofing-Variante mit gestaffelten Scheinquotes auf mehreren Preisniveaus („Leiter“). Ziel ist, mehr Tiefe vorzutäuschen, als tatsächlich exekutierbar ist, und so Richtungseffekte auszulösen. Kurz vor Kontakt werden die unteren Stufen oft synchron entfernt. Das erzeugt Momentum-Eindruck, ohne fundamental getragene Orders. Für Einsteiger: Mehrere große Stufen, die gleichzeitig wegklappen, sind ein Warnsignal.

Markt CEX Spot, CEX Derivate
Evidenzstatus & Stand Spot-belegt · Stand: 18.10.2025, 12:00 UTC

Dokumentierte Szenarien (CEX-basiert)

  • MEXC (März–Mai 2025): Die Börse machte öffentlich, ein koordiniertes Netzwerk gestoppt zu haben; unter den benannten Verhaltensweisen: Spoofing und Layering. Zusätzlich veröffentlichte MEXC Risk-Control-Guidelines, in denen Layering ausdrücklich als zu unterbindende Praxis aufgeführt ist. Status: Börsenstatement/Policy-Dokumentation.
  • Hinweis: In der Fachaufsicht wird Layering seit Jahren als Variante des Spoofings eingeordnet – mehrere US-Durchsetzungsfälle definieren Layering präzise; diese Referenzen nutze ich im Vergleich zu regulierten Börsen unten.

Funktionsprinzip

In einem Satz: Beim Layering stellt ein Akteur mehrere große, sichtbar gestaffelte Limit-Orders auf einer Buchseite ein (z. B. drei bis fünf Preisstufen unterhalb des Best-Gebots) ohne echte Ausführungsabsicht, um Pseudo-Tiefe zu signalisieren und den Preisfluss zu lenken.

Praktisch läuft das so ab

  1. Der Akteur baut eine „Leiter“ aus Limit-Orders (z. B. bei −5, −10, −15 Basispunkten) auf einer Seite des Orderbuchs auf.
  2. Andere Teilnehmer sehen scheinbar breite Nachfrage/Angebot und passen ihre Quotes oder Trades an (z. B. Market-Maker ziehen Gebote nach).
  3. Sobald der Preis in Richtung der Leiter läuft, werden große Teile der sichtbaren Schichten synchron storniert oder als Block verschoben; die Leiter ist damit Täuschung statt echter Liquidität.
  4. Der Initiator nutzt die induzierte Preisbewegung und handelt auf der Gegenseite (z. B. verkauft in den kurz nachgezogenen Bid).

Kernidee: Nicht eine einzelne „Wall“, sondern mehrere abgestufte Scheinebenen erzeugen ein überzeugendes Tiefenbild, das kurzfristig Orderfluss und Mikro-Preisweg beeinflusst. Diese Struktur – mehrere nicht bona-fide Orders auf mehreren Levels – ist genau das, was Aufseher in regulierten Märkten unter „Layering“ fassen.

Eindeutige Erkennungsmerkmale (live beobachtbar)

  • Gestaffelte Tiefe: 3–5 große Limit-Orders auf einer Seite in 10–25 bp Abstand, die gemeinsam erscheinen, wandern oder verschwinden.
  • Kurzlebigkeit & Synchronität: Deutlich erhöhte Cancel-Rate und synchrones Löschen großer Teile der Leiter genau beim Preisannähern.
  • Imbalance-Flip + Gegenhandel: Nach Leiter-Cancel kippt die Buch-Balance, und es kommt kurz darauf zu Fills auf der Gegenseite.
  • Überproportionale Preisreaktion relativ zu tatsächlichen Ausführungen (Anzeichen für Täusch-Tiefe statt echter Liquidität).

Diese Signaturen entsprechen der etablierten Aufsichts- und Forschungsliteratur zu Layering/Spoofing.

Warum CEXs anfällig sind

  • Hohe API-Taktung: Große CEXs erlauben sehr hohe Order-/Cancel-Raten – genug, um Leitern millisekundengenau zu bauen und zu löschen.
  • Einzel-Venue-Sicht: Anders als im Aktienmarkt existiert kein CAT-ähnlicher, venues-übergreifender Audit-Trail; externe Dritte sehen nur das jeweilige Orderbuch. Das erschwert die Rekonstruktion von Intent und Mehrkonto-Netzen über mehrere Plätze hinweg.

Vergleich: regulierte Börsen

  • Klar definierte Untersagung: US-Aufseher und Börsen definieren Layering explizit als das Einstellen mehrerer, nicht bona-fide Limit-Orders auf einer Seite, um einen künstlichen Eindruck von Angebot/Nachfrage zu erzeugen, gefolgt von einem Trade auf der Gegenseite und dem Canceln der gestaffelten Orders. (SEC-Fälle wie Avalon/LEK; Nasdaq-Regelmaterial nennt die Definition wörtlich.)
  • Überwachung & Werkzeuge: FINRA-Cross-Market-Reports adressieren Layering/Spoofing explizit; Börsen und SROs überwachen venues-übergreifend. EU-MAR (Art. 12) verbietet orders-basierte Täuschungen („falsche oder irreführende Signale zu Angebot/Nachfrage“).

Warum Früherkennung kritisch ist – und was sich in der EU ändert

  • Marktqualität: Layering verzerrt Spread, Tiefe, Preisweg und kann Momentum-/Arb-Kaskaden auslösen – besonders in dünnen Büchern.
  • EU-MiCA & ESMA: Mit der Anwendbarkeit seit 30.12.2024 und dem Übergangsrahmen verlangt die EU zunehmend datengetriebene Überwachung von Order-Signals vs. Ausführung; Anbieter werden an klaren, dokumentierbaren Kontrollen gemessen.

Konkrete Schwellen/Alarm-Regeln (E3/E2/E1)

Adaptiv, quantilbasiert, je Symbol/Venue gegen 30-Tage-Baseline zur gleichen Tageszeit. Benötigt: L2/L3-Events Add/Modify/Cancel in ms-Auflösung + Trades.

E3 (hoch) – „klassische Leiter“ mit Täuschsignatur

  • ≥3 Preisstufen @ ≤ 25 bp zeigen gleichzeitig Notional ≥ p99, und
  • ≥ 70 % dieses Notionals werden bei Preisannäherung synchron in ≤ 800 ms gelöscht/verschoben, und
  • Cancel-to-Trade (C2T) > p99 auf der Leiter-Seite plus Gegen-Fill (klein/mittel) binnen ≤ 2 s nach dem Cancel.

E2 (mittel)

  • Leiter mit 2–3 Levels, teil-synchronem Cancel/Shift, C2T > p97 und kurzer Imbalance-Flip.

E1 (niedrig)

  • Wiederkehrende Mini-Leitern (2 Levels) @ ≤ 15 bp, ohne klaren Gegenseiten-Fill → Watchlist.

Die Schwellen spiegeln die Regulierungspraxis: Layering = mehrere nicht bona-fide Orders + kurzfristiges Cancel beim Preisannähern + Nutzen der Bewegung auf der Gegenseite.

Praxis-Hinweise (Fehlalarme minimieren)

  • Legitimes Market-Making abgrenzen: Kurze Quote-Updates sind normal. Darum Lifetime, C2T und Preisreaktion gemeinsam prüfen – nicht einzelne Metriken isoliert.
  • Distanz-Binning zum Touch: Layering-Signale sitzen nah am Touch; analysiere 0–10 bp / 10–25 bp / 25–50 bp getrennt (Feinheit verbessert Präzision).
  • Technische Artefakte ausschließen: Deploys, Gateway-Störungen, Rate-Limit-Bremsen können Cancel-Cluster erzeugen; Logs heranziehen.
  • Account-Kohärenz prüfen: Synchronized Cancels über mehrere Accounts (gemeinsame KYC/IP/Key-Familien) sind stärker belastbar als Signale eines Einzelkontos.

Warum das wichtig ist (Trader-Nutzen & Compliance)

  • Für Trader: Layering früh zu erkennen verhindert Fills gegen falsche Tiefe, senkt Slippage und schützt vor falschen Ausbrüchen.
  • Für Betreiber/Compliance: Saubere Evidenzketten (Zeitstempel, C2T, Lifetime, Distanz-Bins, Gegen-Fills) erleichtern interne Reviews, Kundenkommunikation und – falls nötig – Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden im Sinn von MiCA/MAR.

Relevante Quellen

  • MEXC – Blog-Mitteilung „MEXC Detects and Eliminates Coordinated Market Manipulation Scheme“, 25. März 2025. Börsenstatement; nennt u. a. Spoofing/Layering als adressierte Verhaltensweisen.
  • MEXC – „Risk Control Guideline“, 1. Mai 2025. Policy-Dokument; listet Wash Trading, Spoofing, Layering, Front-Running als zu unterbindende Aktivitäten.
  • Nasdaq – Federal Register-Mitteilung zu SR-NASDAQ-2016-092 (Regelwerk), 7. Juli 2016. Definiert „Layering“ ausdrücklich als mehrere nicht bona-fide Limit-Orders auf einer Marktseite, deren Cancel/Shift eine künstliche Preislage erzeugt.
  • SEC – Pressemitteilung „SEC Charges Firms Involved in Layering… (Avalon/LEK)“, 10. März 2017; sowie „SEC Obtains Final Judgments Against Lek Securities…“, 2. Oktober 2019. Durchsetzungsfälle; Layering-Definition und Praxisbezug.
  • FINRA – „Cross-Market Equities Supervision: Potential Manipulation Report“, 26. Mai 2016. Surveillance-Report inkl. Layering/Spoofing-Alerts.
  • Regulation (EU) No 596/2014 (MAR), Art. 12. Verbot „falscher oder irreführender Signale“; ordersbasierte Täuschung (wie Layering) subsumiert.
  • Vega Economics (2021): „Spoofing Enforcement in an Increasingly Complex World“ – beschreibt Layering als Spoofing-Variante mit Multi-Level-Orders.